Über die DDR

Lag die DDR nun am „kürzeren Ende der Sonnenallee“, oder unter einem „geteilten Himmel“? Begann an ihrer Grenze der „Osten“, oder lebte man mitten im Herzen Europas? Eine Republik von Jungpionieren, Arbeitsbrigaden und „Genossen“ mit diversen Statuten, oder Nährboden für Tausende von verschiedenen Lebensentwürfen und Träumen? Meistens, das wussten ja schon die antiken Philosophen, liegt die Wahrheit irgendwo in der Mitte. Und auf die Philosophen wollen wir hören in diesem Fall.

Faktisch war die DDR einer der beiden deutschen Staaten, die sich nach der großen Zäsur des 20. Jahrhunderts neu formierten. Die Gründung der DDR am 7. Oktober 1949 auf dem Gebiet der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) erfolgte vier Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs auf Betreiben der Sowjetunion. Zuvor war mit Unterstützung der drei West-Alliierten auf deren Gebiet die Bundesrepublik Deutschland gegründet worden. Obwohl die Losung erst hieß „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten“, trennte mit dem August 1961 ein langer Schutzwall Bundesrepublik und DDR voneinander. Die Genossen und Führungskräfte jener Jahre hießen Wilhelm Pieck, Walter Ulbricht, später und bis zum Ende der DDR dann Erick Honecker und Egon Krenz, aus dem letzten Aufgebot. Berlin war die Hauptstadt der Republik, allerdings nur im Osten. Im Westen war Berlin „Selbstständige politische Einheit“ und ein legendärer Ort für Künstler, schillernde Lebensentwürfe, Pazifisten, Wilmersdorfer Witwen und das „KaDeWe“. Noch heute steht mit dem Fernsehturm das deutschlandweit höchste Gebäude in der alten-neuen Hauptstadt. Eine enorme Leistung, wenn man bedenkt, wie sehr Altbauten unter real-sozialistischem Diktat (und damit auch der berühmten „Mangelwirtschaft“) leiden konnten. Die landesweit errichteten Plattenbausiedlungen wurden vielen Menschen zur neuen Heimat und wohl auch zum „Kiez“, anderen Bürgern zu erst grauen, heute bunt gestrichenen Ärgernissen.

Obwohl der Sozialismus ins Blühen kam, nahm die Bevölkerungszahl kontinuierlich ab.
Lebten 1950 noch ca. 18,5 Mio. Menschen auf deutschem demokratischem Boden, zählte man 1988, also kurz vor dem Ende nur noch 16,5 Mio. In den frühen Jahren Republikfluchten, später dann Ausreisanträge und Geburtenrückgänge waren die Ursachen. Wer blieb und hineingeboren wurde in dieses Land, lebte mit DDR-Mark und den 15 Bezirken, Trabbis als „Rennpappen“ und der allgegenwärtigen Wandzeitung, FDJ und FDGB, NVA und Kreisparteileitung, der Sekundärrohstofferfassung und Subottniks, exquisit duftenden „Intershops“ und „Delikat“-Geschäften, den Ferien bei Großeltern auf dem Lande, in Datschen oder mittels Urlaubsplätzen an der eh und je angesagten Ostsee.